Design Challenges

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Industriekultur im Ruhrgebiet

Industriekultur ist das Schlüsselwort für erstaunliche Veränderung: Design spielt dabei eine wesentliche Rolle. Das Ruhrgebiet ist dafür ein Lehrstück. Die Namen vieler weltbekannter Unternehmen sind Markenzeichen dieser Region: Krupp, Thyssen, Hochtief, Karstadt, Haniel, sind nur einige aus der langen Liste von Traditionsfirmen, die der deutschen Industrie zum Aufschwung verholfen haben. Und doch ist es das Design, das heute von der Metropole Ruhrgebiet Reden macht.  

"Design muss industrielle Kultur schaffen und die Menschen akzeptieren."

Hartmut Esslinger

Die Zeche Zollverein hat sich als Veranstaltungsort für hochkarätige Events etabliert: Die Bauhaus Architektur aus den 20er Jahren bildet dafür eine spektakuläre Kulisse. 

Neuer Glanz als Designstandort

Die Kreativindustrie verhalf der krisengebeutelten Region zu neuem Glanz. Die Zeche Zollverein als Beispiel mit seinen 70 Unternehmen aus der kulturellen, kreativen und designorientierten Branche ist zum Designstandort Nummer Eins in Deutschland avanciert. Sie gilt als einer der interessantesten Wirtschaftsstandorte der Region. Dabei spielt der Designwert des UNESCO-Weltkulturerbes eine wesentliche Rolle: eine Zechenarchitektur im funktionalen Bauhausdesign ist selbst heute noch spektakulär und rettete den Industrieort vor dem radikalem Abriss. Die Bauherren der »schönsten Zeche der Welt« haben die Nachhaltigkeit ihrer mutigen Designstrategie wohl kaum erfasst. Deren Wert aber ist bis heute sichtbar und trägt großen Anteil daran, dass eine längst stillgelegte Region wieder in Bewegung geraten ist.  

 Was im Ruhrgebiet Strukturwandel heißt, ist bei Unternehmen als „Change Management“[1] bekannt und heute über alle Industriesektoren hinweg ein Thema. Die große Wirtschaftskrise hat ihre Spuren hinterlassen und der Konsolidierungskurs vieler Unternehmen hat das Augenmerk auf langfristige Zukunftssicherung gerichtet. Zumal Entwicklungen wie Globalisierung, Internet und der demographische Wandel ein solches Umdenken erfordern, das folgt aus einer aktuellen Markenstudie von Cuecon. Das Schaffen von Stabilität und Nachhaltigkeit ist eine der großen Herausforderungen, der sich die Industriegüterbranche und insbesondere die Klein- und Mittelständischen Unternehmen stellen müssen. In diesem Zusammenhang tritt bei den technologiegetriebenen Industrieunternehmen die Frage nach den relevanten Wettbewerbsvorteilen immer stärker in den Vordergrund. Der jahrzehntelange Wirkungsmechanismus „Made in Germany“ beginnt in der aktuellen Phase der industriellen Revolution zu schwinden.


 „Wir brauchen Unternehmensführer, die verstehen, dass Design als Strategie das beste Investment ist.“ 
Hartmut Esslinger

Stringente Markenführung durch Designmanagement 

Um diesen Veränderungen entgegen zu treten, tritt auch bei Industrieunternehmen Markenführung auf den Plan. Eine starke Unternehmensmarke stellt eine natürliche Barriere gegen den internationalen Wettbewerb dar. Die Marke ist bei den B2B und Industrieunternehmen angekommen, lautet deshalb auch das Ergebnis der Markenstudie 2013. Allerdings vermehre sich das Bewusstsein, dass die Marke im B2B von innen nach außen wirkt, erst bei Unternehmen mit einer Größenordnung ab 1.000 Mitarbeitern. Zwischen dem strategischen Anspruch und der tatsächlichen Umsetzung klafft also immer noch eine große Lücke. Unternehmen verwechseln Markenführung mit Werbung, verkündet demzufolge der „Deutsche Markenreport 2014“ von Brandoffice. Eine Kritik, die 48 Prozent der befragten Markenentscheider teilen. Das Marken-Knowhow dringt oft nicht bis zu der Geschäftsleitung vor, die aber ist mehrheitlich für die Markenführung verantwortlich. Die Marke als zentraler Wertschöpfungstreiber liegt deshalb oftmals brach.

 

Das Bewusstsein um die Notwendigkeit einer stringenten Markenführung reicht also nicht aus, es bedarf konkreter Umsetzungspakete. Hier rückt wieder das Design, als die Frage nach der Gestaltung der Markenwerte in den Vordergrund: Jede Marke braucht schließlich ein Gesicht. Die Handlungsfelder von Design im B2B-Bereich sind dabei vielfältig: Product- und Industrial Design, Package Design, Communication Design, Corporate Design, Corporate Architecture, Fair Design, Retail Design sind nur einige, die hier benannt werden sollten.[3]

 Die Funktion eines marktorientierten Designmanagements bedeutet aber nicht eine Verschönerungsleistung, sondern den Prozess der Veränderung zu begleiten und die Marke wahrnehmbar zu machen. 


Denn Marke ist ein lebendiger Organismus, der gelebt und gefühlt sein will. Design ist dafür ein Katalysator.

[1] Change Management: Wandel repräsentiert heute in Unternehmen nicht mehr den Sondervorgang, sondern eine häufig auftretende Regelerscheinung. Alle Prozesse der globalen Veränderung, sei es durch Revolution oder durch geplante Evolution, fallen in das Aufgabengebiet des Change Managements.

[2] Fachleute sehen momentan die Welt in einer Phase der dreifachen Revolution: Globalisierung, Digitalisierung und Finanzkrise. Franz Merkel, wob AG

[3] Carsten Baumgarth: B-to-B Markenführung, 2010.

Fotografie: Stiftung Zollverein / Matthias Duschner, Stiftung Zollverein / Thomas Willemsen.